Sommer
Husky- Tagebuch 2024
Tag 103 – Ein Sommermorgen voller Gerüche
Heute war die Welt ein Duftbuch. Der Tau lag noch auf dem Gras, und die Sonne kroch langsam über den Horizont. Ich bin früh aufgestanden – noch bevor mein Mensch den ersten Kaffee gedacht hat – und habe geschnuppert.
Jeder Schritt war ein neues Kapitel: feuchte Erde, frische Blüten, ein Hauch von Wildkaninchen. Ich habe mich durch das hohe Gras geschlängelt, die Nase tief, das Herz weit. Der Wind trug Geschichten, und ich habe sie gelesen – mit meiner Seele.
Mein Mensch hat mich beobachtet und gesagt: „Du bist heute besonders konzentriert.“ Ich habe nicht geantwortet. Manche Morgen sind zu kostbar für Worte.
Tag 106 – Begegnung mit einem Reh
Im Wald, zwischen Lichtflecken und Schatten, habe ich es gesehen. Ein Reh. Zart, wachsam, und wunderschön. Es stand da, wie aus einem Traum geschnitzt, und ich blieb stehen. Kein Bellen, kein Rennen – nur Stille.
Unsere Blicke trafen sich. Ich spürte keine Jagd, sondern Verbindung. Zwei Wesen, die sich begegnen, ohne sich zu berühren. Das Reh hat gezuckt, dann ist es verschwunden – lautlos, wie Nebel. Ich bin ihm nicht gefolgt. Ich habe ihm nachgeschaut.
Mein Mensch hat gefragt: „Was hast du gesehen?“ Ich habe nur geschaut. Manche Begegnungen gehören meinem Herzen allein.
Tag 110 – Ein Moment des Traums
Heute habe ich geträumt. Nicht im Schlaf, sondern im Schatten eines Baumes, während die Welt um mich herum flirrte. Ich lag da, die Augen halb geschlossen, und mein Geist wanderte durch wunderbare Erinnerungen.
Ich war wieder im Schnee, rannte mit meinem Rudel, spürte den Wind, hörte das Heulen der Ferne. Dann war ich am See, sprang durch das Wasser und jagte Schmetterlinge.
Mein Mensch hat mich gestreichelt, und ich bin aufgewacht. Aber der Traum blieb – wie ein warmer Stein in meiner Brust. Ich bin ein Husky. Ich träume nicht nur von Freiheit. Ich trage sie in mir.
Tag 111 – Das Gewitter
Heute war die Luft geladen. Ich habe es schon am Morgen gespürt – ein Kribbeln im Fell, ein Flimmern in der Ferne. Mein Mensch hat gesagt: „Da braut sich was zusammen.“ Ich habe zustimmend gejault.
Am Nachmittag kam es. Der Himmel wurde dunkel, der Wind heulte, und dann: Donner. Laut, tief, wie ein Ruf aus einer anderen Welt. Ich bin nicht weggelaufen. Ich bin stehen geblieben. Der Regen prasselte auf mich herab, mein Fell wurde schwer, aber mein Herz war ruhig.
Ich habe den Himmel angebellt – nicht aus Angst, sondern aus Respekt. Mein Mensch hat mich reingerufen, aber ich bin erst gekommen, als der Blitz direkt über uns zuckte. Drinnen habe ich mich ans Fenster gelegt und den Sturm beobachtet. Es war wild. Es war schön. Es war eine Erinnerung an die Kraft der Natur.
Tag 115 – Eine Nacht unter freiem Himmel
Heute haben wir draußen geschlafen. Mein Mensch hat eine Decke ausgebreitet, ein kleines Lagerfeuer gemacht, und ich habe mich daneben gelegt – wachsam und zufrieden.
Der Himmel war klar. Die Sterne funkelten wie Eis in der Dunkelheit, und ich habe sie gezählt – nicht mit Zahlen, sondern mit Gefühlen. Jeder Stern war ein Gedanke, ein Traum, ein Ruf. Ich habe den Mond angeblickt und gespürt, dass ich Teil von etwas Größerem bin.
Mein Mensch hat geschlafen. Ich habe gewacht. Nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe. Die Nacht war still, aber voller Geschichten. Ich habe sie gehört – im Rascheln der Blätter, im Flüstern des Windes, im entfernten Ruf eines Käuzchens.
Und irgendwann bin ich auch eingeschlafen. Unter Sternen, neben meinem Menschen. Mit dem Wissen: Ich bin Husky. Ich bin ein Wächter und Ich bin frei.
Tag 120 – Der erste heiße Sommertag
Heute war die Sonne gnadenlos. Kein Wind, kein Schatten, nur flimmernde Hitze auf dem Asphalt und ein Himmel, der brannte. Ich bin früh raus, habe ein paar Runden gedreht, dann beschlossen: Heute ist ein Tag für Schattenstrategien.
Mein Mensch hat mir eine Schüssel mit kaltem Wasser hingestellt. Ich habe darin geplanscht, getrunken, meine Pfoten gekühlt. Dann habe ich mich unter den großen Baum im Garten gelegt, wo die Erde noch feucht war. Mein Fell war warm, mein Herz ruhig. Ich bin kein Fan von Hitze – aber ich bin gut darin, sie zu überlisten.
Später gab’s ein Stück Wassermelone. Ich habe es skeptisch beschnuppert. Dann verschlungen. Der Sommer hat seine eigenen Regeln.
Tag 124 – Nächtliches Grillfest mit meinem Menschenfreund
Heute roch die Luft nach Glut und Gewürzen. Mein Mensch hat den Grill angezündet, Freunde kamen, Stimmen mischten sich mit Lachen, und ich war mittendrin – der inoffizielle Gastgeber auf vier Pfoten.
Ich habe mich zwischen die Beine der Gäste geschlängelt, hier ein Streicheln, dort ein Stück Brot (inoffiziell genehmigt). Die Glut knisterte, die Sterne funkelten, und ich lag auf der Terrasse, den Kopf erhoben, die Ohren wach.
Später hat mein Mensch sich zu mir gesetzt, mir ein Stück gegrillte Zucchini angeboten und wir haben gemeinsam in die Nacht geschaut. Ich habe nicht gebellt. Ich habe es genossen. Sommernächte sind wie Lagerfeuergeschichten – man muss sie nicht verstehen, nur fühlen.
Tag 126 – Wanderung in die Berge
Heute sind wir früh los. Rucksack, Wasserflasche, Leine – und ich. Die Berge riefen, und ich habe geantwortet. Der Weg war steil, die Luft klar, und mein Herz schlug im Takt der Schritte.
Ich bin vorausgelaufen, habe Schneereste entdeckt, Murmeltiere gehört, den Wind gerochen, der von Gipfeln kam, von denen ich nur träumen kann. Mein Mensch hat geschnauft, ich war motiviert. Wir waren ein Team – wie früher, wie immer.
Oben haben wir Pause gemacht. Ich habe mich auf einen Felsen gelegt, die Aussicht bestaunt, die Welt unter mir gespürt. Mein Mensch hat gesagt: „Du gehörst hierher.“ Ich habe nicht geantwortet. Ich habe nur geschaut – froh, glücklich und stolz.
Tag 127 – Sommertag am Fluss
Heute war einer dieser Tage, an denen die Sonne schon früh ihr goldenes Versprechen abgibt. Mein Mensch hat die Leine genommen, den Rucksack gepackt, und ich wusste: Es geht zum Fluss.
Der Weg dorthin war voller Düfte – reife Beeren, warme Erde, ferne Tiere. Ich bin vorausgelaufen, habe geschnuppert, gewedelt, gewartet. Als wir ankamen, war der Fluss ruhig, klar, einladend. Ich bin sofort hineingesprungen.
Das Wasser war kühl, aber nicht kalt. Es hat meine Pfoten umspült, mein Fell getragen, meine Gedanken geklärt. Ich bin geschwommen, habe Steine umrundet, Libellen beobachtet. Mein Mensch hat sich ans Ufer gesetzt, die Füße im Wasser, das Gesicht entspannt. Wir waren still – aber verbunden.
Später haben wir gemeinsam am Ufer gelegen. Ich habe mich auf den Rücken gedreht, die Sonne auf meinem Bauch genossen. Mein Mensch hat mir ein Stück Apfel gegeben. Ich habe es genommen – nicht aus Hunger, sondern aus Freundschaft.
Ein Reiher ist vorbeigeflogen. Ich habe ihm nachgesehen, und für einen Moment war ich nicht Hund, nicht Haustier – sondern einfach nur Teil der Landschaft. Ein Teil des Flusses., ein Teil des Sommers.
Tag 135 – Das erste Lagerfeuer im Spätsommer
Heute roch die Luft nach Abschied und Erwartung. Der Sommer neigt sich zu Ende, aber er geht nicht schnell und plötzlich. Mein Mensch hat Holz gesammelt, eine kleine Feuerstelle gebaut, und als die Sonne unterging, flackerte die Glut wie ein Herz aus Licht.
Ich lag daneben, das Fell vom Tag noch warm, die Augen halb geschlossen. Das Knistern des Feuers war wie Musik – sanft, entspannend und beruhigend. Mein Mensch hat Geschichten erzählt, leise, für sich selbst. Ich habe zugehört, nicht mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.
Ein Käuzchen rief in der Ferne. Der Wind trug den Duft von trockener Erde und reifem Gras. Ich habe mich gestreckt, tief geatmet und gespürt: Der Herbst kommt. Aber heute genießen wir noch dem Sommer und das flackernde Feuer.
Tag 138 – Nächtliches Heulen unter Vollmond
Der Mond war riesig, silberweiß, hell leuchtend, und magisch. Ich habe ihn gesehen, gespürt und bewundert – nicht mit den Sinnen, sondern mit dem Instinkt. Mein Mensch schlief und ich war wach. Und dann habe ich geheult.
Nicht laut, nicht wild. Nur ein Ruf – klar und ruhig, geerbt von meinen Vorfahren. Es war kein Klagen, kein Suchen. Es war ein Gruß an den Mond. An die Nacht und an alle, die ihn hören wollten.
Ich weiß nicht, ob jemand geantwortet hat. Vielleicht ein Wolf, weit entfernt. Vielleicht nur der Wind. Aber ich habe mich nicht allein gefühlt. Ich war Teil von etwas Größerem – ein Lied, das durch die Dunkelheit zieht und sagt: Ich bin hier. Ich bin ein Husky.
